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Rango Bohne

Der Turm hinter den Bäumen

von Thomas Böhm


Das studio dumont zeigt eine Ausstellung mit Bildern von Rango Bohnes und Texten des „Buch für die Stadt“-Autors Jürgen Becker. Vier Bildbände des Ehepaars sind bisher erschienen. In ihrer Kunst inspirieren sich die beiden gegenseitig.

„Unterwegs sah ich hinter einer Baumgruppe den Turm von vielleicht einer Kirche auftauchen, einem barockhaften Gebilde, das ich glaubte, mit seinen Nebengebäuden schon einmal gesehen zu haben. Zu Hause erzählte ich Dir davon. Da zeigtest Du auf ein Bild, an dem du vor Wochen gearbeitet hattest und das seitdem an der Wand lehnt.“

Leser von „Schnee in den Ardennen“, dem „Buch für die Stadt“ von Jürgen Becker, könnten glauben, diesen kurzen Text schon einmal gelesen zu haben. Handelt er doch, wie viele Einträge in Beckers Journalroman, von der Erinnerung, die durch eine beiläufige Wahrnehmung - ein Turm taucht hinter Bäumen auf - ausgelöst wird. Tatsächlich stammt der Text jedoch aus dem Buch „Häuser und Häuser“, einem Bild-Text-Band von Jürgen Becker und seiner Ehefrau Rango Bohne. Vier solcher Bücher sind erschienen: „Fenster und Stimmen“ (1982), „Frauen mit Rücken zum Betrachter“ (1989), „Korrespondenzen mit Landschaft“ (1996) und eben „Häuser und Häuser“ (2002).

Alle folgen dem gleichen Prinzip: inspiriert von den Bildern Rango Bohnes schreibt Jürgen Becker Gedichte, Prosastücke, Miniaturerzählungen. Dabei handelt es sich nicht um Beschreibungen oder Deutungen der Bilder. Beim Betrachten des Bildes und Lesen des Textes wird augenblicklich deutlich: Es handelt sich um eine von unzähligen möglichen Geschichten, die sich zu diesem Bild erzählen ließe. Die eine, die entstanden ist, ist eine ganz und gar subjektive, persönliche Korrespondenz, die der Text zum Bild, der Schriftsteller zum Bild der Künstlerin herstellt. Beim betrachtenden Lesen wird beides gleichzeitig erkennbar: die unendliche Zahl möglicher Geschichten und die Privatheit der einen erzählten Geschichte.

Viel Raum ist den lesenden Betrachtern gelassen, sich eine eigene Geschichte zu dem Bild und zum Text zu erzählen. Hat man so ein barockhaftes Gebäude nicht auch schon einmal gesehen? In der Umgebung? Sieht Schloss Bensberg nicht so aus? Oder ist das eine Erinnerung, die viel älter ist. Ein Anblick aus der Kindheit? Der Anblick eines Schlosses, zu dem man mit den Eltern zu einem Sonntagsausflug gefahren ist? Ins Münsterland? Dieser Raum für die eigenen Erinnerungen und damit das eigene Leben der Leser ist kennzeichnend auch für Jürgen Beckers „Schnee in den Ardennen“. Indem sich darin ein Mensch, der ein Journal führt, alltäglichen Begebenheiten und Dingen widmet, werden die Leser aufmerksam auf die Substanz des Lebens, die sich an Begebenheiten und Dingen ablesen lässt.

Etwas Alltägliches ist im wörtlichen Sinne Material von Rango Bohnes Bild. Wenn man genau hinschaut, erkennt man oben links im Bild, dass der Himmel aus übermaltem, bedruckten (Zeitungs-?)Papier besteht. Oft benutzt Rango Bohne Fundstücke - aus dem Alltag, aus der Natur -, um sie in die Komposition ihrer Bilder einzufügen. Bilder, denen man allerdings auf den ersten Blick nicht ansieht, dass es Collagen sind. Die vielmehr wie ein harmonisches Ganzes wirken. Ein Ganzes, das jedoch aus filigranen Details besteht, die im Moment der genauen Betrachtung anfangen, sich zu verselbständigen, Auslöser von Geschichten zu werden.

Oft zeigt Rango Bohne Ausschnitte aus Landschaften auf relativ kleinen Bildflächen. Wenn man sich die Landschaftmalerei des 19. Jahrhunderts dagegen ins Gedächtnis ruft - weite Blicke, meist bis zum Horizont, erhöhte Standpunkte, die Überblicke erlaubten - dann zeigt sich, wie subtil die Kunstgeschichte in Rango Bohnes Bildern präsent wird. Eine Kunstgeschichte, in der nach dem Zweiten Weltkrieg von einem „Ende der Landschaftsmalerei“ die Rede war.

Rango Bohne dagegen setzt die Landschaftsmalerei fort. Auf höchst zeitgemäße Art. Unseren Wahrnehmungen entsprechend, die nicht mehr geprägt sind von Blicken bis zum Horizont, vom Anblick einer unberührten Natur. Sondern von Blicken im Vorbeigehen, meist im Vorbeifahren, bei dem das Gesehene im nächsten Augenblick schon verwischt. Eine Verwischung, die in der abgebildeten Collage präsent ist. Ihr ist ein Foto unterlegt, das die Künstlerin übermalt hat.

Die Gemeinsamkeiten in den Werken von und Rango Bohne lassen sich am besten als „Korrespondenzen“ bezeichnen. Mit ihren Korrespondenz-Büchern setzen der Autor und die Künstlerin somit auch eine der persönlichsten Gattungen auf eine einzigartige, dem Werk beider zutiefst angemessene Weise fort: den Ehebriefwechsel.

Unser Autor ist Programmleiter des Kölner Literaturhauses.

Biographie
Ausstellungen
Publikationen

Biographie
1932 geboren in Köln
1938 - 41 Volksschule in Odenthal und Bensberg
1951 Abitur, Gymnasium Bergisch Gladbach
1954 - 58 Studium der Kunstgeschichte und Archäologie, Freiburg, München, Hamburg
1955 Heirat mit dem Arzt Dr.Wolfgang Heusser
1956 Geburt der Tochter Ringa
1957 Geburt des Sohnes Philipp
1959 Scheidung
1958 - 62

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, Professoren K.O. Götz und Manfred Sieler
Studium an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, Professoren Gerhard Fietz und Werner Schrieber

1965 Heirat mit dem Schriftsteller Jürgen Becker
1966 - 67 Aufenthalt in Rom, Villa Massimo (Stipendium Jürgen Becker)
1976 Aufenthalt in Florenz, Villa Romana, Gedok - Stipendium

lebt und arbeitet in Köln und Odenthal

Einzelausstellungen
Gruppenausstellungen
1959 Essen - Gladbeck
1962 Galerie Gli Araldi, Novara
1963 Galerie am Schloßturm, Düsseldorf Schloß Morsbroich, Leverkusen
Heimatmuseum Bensberg
Galerie Diogenes, Berlin (ZERO - Ausstellung)
1964 Galleria San Fedele, Mailand
1965 Galerie Elmenhorst, Hamburg
Galerie im Centre, Göttingen
Klingenmuseum, Solingen
1968 Altes Amtsgericht, Bensberg
1969 Galerie Artepik, Lichtaart
Galerie B, Bensberg
1970
Thomas Morus Akademie, Bensberg
Rheinisch - Bergischer Künstlerkreis (RBK)
1971 RBK, Forum Bergisch - Gladbach
1972 Goethe Institut, Paris
Forum, Bergisch - Gladbach
1973 Galerie der Spiegel, Köln RBK, E - Center, Dietzenbach
Gedok, Köln (jährliche Teilnahme bis 1991)
RBK, Kurfüstliches Gärtnerhaus, Bonn
1974   RBK, Forum Bergisch - Gladbach
1975 Gedok, Beethovenhalle, Bonn
RBK, Heimatmuseum Bensberg
1976 Artothek, Köln Gedok, Hamburg
1977 Galerie P, Krefeld
Galerie Zander, Köln
1981 Galerie Bergener Bücherstube, Frankfurt
1982 Garten - Galerie, Düsseldorf
1983 Herder Buchhandlung, Münster
1984 Städtische Galerie im Park, Viersen
1985 Deutschlandfunk, Köln
1986 Stadtbücherei, Porz
Galerie Poetry International, Rotterdam
1987 Theodor - Heuss - Akademie, Gummersbach
Bergische Galerie, Bergisch - Gladbach
1988 Werkstatt - Galerie, Bergisch - Gladbach
1989 Kunstraum Klapperhof, Köln
1990 Galerie Bergener Bücherstube, Frankfurt
1991 Galerie Bayenthalgürtel, Köln
1992 Werkstatt - Galerie, Bergisch - Gladbach
1993 Galerie der Spiegel, Köln
1995 Marienkrankenhaus, Bergisch - Gladbach
1996 Inselgalerie Rettbergsaue, Wiesbaden
1997 Galerie Brehm, Köln
Galerie Schröder und Dörr, Bergisch - Gladbach
1999 Neues Kunsthaus, Ahrenshoop
2000 Bahnhof Rolandseck
Burg Zweiffel, Bergisch - Gladbach
Galerie am Prater, Berlin
2001 Neues Kunsthaus, Erfurt
2002 Galerie am Werk, Leverkusen
2007 Galerie Schröder und Dörr, Bergisch - Gladbach
2009 Kunstverein Wesseling
  studio dumont, Köln

Publikationen
1982 "Fenster und Stimmen", Collagen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
Mit Gedichten von Jürgen Becker
1989 "Frauen mit dem Rücken zum Betrachter", Radierungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
Mit Texten von Jürgen Becker
1996 "Korrespondenzen mit Landschaft ", Collagen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
Mit Gedichten von Jürgen Becker
2001 "Häuser und Häuser", 35 Bilder, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
Mit 35 Prosatexten von Jürgen Becker
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